Der Sinn der Sache: Vielfalt wachsen lassen

Der Sinn der Sache: Vielfalt wachsen lassen

Tags: Sinn der Sache, Urgetreide, biodynamische Züchtung, Nachhaltigkeit, Saatgut, Vielfalt

Ab sofort könnt Ihr Interessantes rund um Vielfalt, alte Getreide und Fruchtfolgen erfahren. Mit passenden Rezepten könnt Ihr Urgetreide genießen und mit Samen von Bingenheimer sogar selbst Vielfalt wachsen lassen.

 

Im Rahmen unserer Kampagne "Der Sinn der Sache" findet Ihr dafür exklusiv in teilnehmenden Läden verschiedene Produkte aus unserem Urgetreide-Sortiment, kombiniert mit samenfesten Gemüsesamen von Bingenheimer Saatgut. Damit könnt Ihr Tomaten, Gurken, Erbsen und Radieschen auf dem eigenen Balkon, im Garten oder Blumentopf anpflanzen. Mit passenden Rezepten zu den unterschiedlichen Urgetreide-Produkten, könnt Ihr die alten Sorten genießen. Spannende Informationen rund um Vielfalt, Urgetreide, Fruchtfolge und biodynamische Züchtung erwarten Euch.

Ihr möchtet wissen, welche Läden an unserer Kampagne teilnehmen und die Urgetreide-Samen-Päckchen im Sortiment haben? Dann wendet Euch gerne unter Nennung Eurer Postleitzahl an uns. Wir informieren Euch gerne über Verkaufsstellen in Eurer Nähe.

Tipps zum Vorziehen und Aussäen von Tomaten, Gurken, Erbsen und Radieschen findet Ihr hier.

 

Vielfalt gerät in Vergessenheit

Habt Ihr gewusst, dass es früher eine spannende Vielfalt an Getreide gab? Sorten mit unterschiedlichem Geschmack von süßlich bis herb sowie Farbvarianten von hellem Gelb bis zu dunklem Weinrot waren weit verbreitet. Heute ist einiges von dieser Vielfalt in Vergessenheit geraten. Auf dem Großteil der Getreidefelder in Deutschland wächst heutzutage Weizen. An zweiter Stelle folgt Gerste, die vor allem zum Bier brauen verwendet wird. Roggen als wichtiges Brotgetreide kommt auf Platz drei und zuletzt der Körnermais. Alle weiteren Getreide, wie beispielweise Hafer, sind im deutschen Ackerbau von geringer Bedeutung.

Aber warum ging die Vielfalt verloren?

Die Landwirtschaft hat sich im vergangenen Jahrhundert stark weiterentwickelt. Statt Pferde und Muskelkraft kamen immer mehr Maschinen zum Einsatz, welche die schwere Arbeit verrichten sollten. Außerdem wurden zum ersten Mal künstlicher Dünger und chemische Pflanzenschutzmittel verwendet. Das erleichterte die Arbeit der Landwirt:innen und verbesserte die Ernte. Auf einmal konnten sie auf ihren Feldern jedes Jahr ein und dasselbe Getreide anbauen und mussten nicht mehr zwischen verschiedenen Pflanzen abwechseln.
Diese neue Art des Anbaus veränderte auch die Anforderungen an das Getreide: Die Pflanzen sollten für die Bearbeitung mit Maschinen bestens geeignet sein und gut auf künstlichen Dünger und Pflanzenschutzmittel ansprechen. Das Saatgut für die Getreide mit den besten Backeigenschaften und den höchsten Erträgen wurde gezielt durch Züchtung weiterentwickelt um diesen neuen Ansprüchen gerecht zu werden. Beispielsweise wurde Weizen mit kürzeren Halmen gezüchtet, damit sie bei Wind nicht so leicht umknicken und abbrechen konnten. Die Nähe zum Boden machte anfälliger für Krankheiten, aber dagegen konnten wiederum chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Andere Sorten, die diese Vorteile nicht bieten konnten, rückten in den Hintergrund, wurden kaum mehr angebaut und nicht weiterentwickelt. Die Vielfalt auf den Feldern wurde nach und nach kleiner.

Holen wir die Vielfalt zurück!

Heute wissen wir, dass künstlicher Dünger und chemische Pflanzenschutzmittel der Umwelt schaden. Boden, Insekten und Grundwasser leiden unter ihrem massiven Einsatz. In der biologischen Landwirtschaft wird deshalb darauf verzichtet. Hier gewinnen alte Sorten, die nicht auf diese Hilfsmittel angewiesen sind, an Bedeutung. Diese ursprünglichen, robusten Sorten wie Emmer, Einkorn und Rotkorn nennt man Urgetreide. Sie sind durch ihren langen Halm weniger anfällig für Pflanzenkrankheiten. Und sie sind nicht so anspruchsvoll: Einige gedeihen auch auf kargem Boden, anderen macht Frost wenig aus.
In dieser Widerstandskraft der Urgetreide steckt großes Potential, denn genau diese Eigenschaften werden für die biologische Landwirtschaft benötigt. Dank unseren Bio-Landwirt:innen holen wir die ursprüngliche, bunte Vielfalt auf die Felder zurück!

Zukunftsfähige Sorten durch biodynamische Züchtung

Um unter sich verändernden Klima- und Umweltbedingungen zu gedeihen, muss auch in der Bio-Landwirtschaft das Getreide weiterentwickelt werden. Die biodynamische Züchtung setzt dabei auf die Widerstandskraft und die positiven Eigenschaften, die in den Urgetreiden stecken. Sie sorgt für eine aktive Weiterentwicklung dieser alten Sorten und stellt damit sicher, dass Bio-Landwirt:innen eine breite Auswahl an zukunftsfähigen Getreidesorten zur Verfügung steht, die an die biologische Bewirtschaftung und die jeweiligen Standorte angepasst sind.
In der biodynamischen Züchtung wird besonders darauf geachtet, dass die Sorten ihre Ursprünglichkeit und Vielfalt nicht verlieren. Gentechnik ist dabei immer tabu. Außerdem werden stets samenfeste Sorten gezüchtet. Das heißt die Bio-Landwirt:innen können aus der Ernte des Vorjahres Samen zurückbehalten und diese im nächsten Jahr wieder aussäen.
Ganz anders ist das in der konventionellen Züchtung: Hier werden oft sogenannte Hybride gezüchtet. Die Samen aus diesen Hybriden sind nicht fruchtbar, also nicht nachbauwürdig und damit nicht für eine neue Aussaat geeignet. Die Landwirt:innen müssen jedes Jahr wieder neues Saatgut einkaufen und sind damit abhängig von den Saatgutkonzernen.  Mit samenfestem Saatgut aus biodynamischer Züchtung herrscht hingegen Unabhängigkeit.

Das gilt übrigens nicht nur für Getreide: Auch beim Gemüse haben Hybridsorten viele der früher bekannten samenfesten Sorten verdrängt. Darum kooperieren wir in unserer aktuellen Aktion zum Thema Vielfalt mit der Bingenheimer Saatgut AG, die in einem Netzwerk mit Züchtung und Saatgutvermehrung schon seit Jahrzehnten Öko-Saatgut ausschließlich samenfester Sorten von Gemüse, Kräutern und Blumen anbietet. Mittlerweile umfasst das Sortiment der Bingenheimer Saatgut AG rund 500 Sorten, darunter bereits rund 100 ökologische Neuzüchtungen wie zum Beispiel die Tomate Bogus Fruchta und die Gurke Persika, die Ihr während unserer Aktion zusammen mit Produkten aus unserem Urgetreide-Sortiment erhaltet. Bei der Weiterentwicklung der Sorten stehen guter Geschmack, Bekömmlichkeit, Anpassungsfähigkeit und die Eignung für die Anbaubedingungen des ökologischen Landbaus im Vordergrund.

Diese Arbeit der biodynamischen Züchtung ist überaus wertvoll für die Vielfalt auf den Feldern und auf unseren Tellern. Deshalb unterstützen und begleiten wir von der Spielberger Mühle die Züchtung und investieren jedes Jahr einen Förderbeitrag in diese wichtige Arbeit. In unserer Handwerksmühle verarbeiten wir ausschließlich samenfeste Sorten und schöpfen dabei aus der ganzen bunten Vielfalt, die unsere Natur zu bieten hat. In unserem Sortiment könnt Ihr Urgetreide, wie z.B. Emmer, Einkorn und Rotkorn entdecken. Aber auch einige bekannteren Sorten in unserem Sortiment gehören zu den alten, robusten Sorten wie beispielsweise Dinkel und Hafer.

Fruchtfolgen sorgen für Vielfalt und gesunde Böden

Neben Anbau und Züchtung von unterschiedlichen Getreidesorten spielt auch die Fruchtfolge eine wichtige Rolle beim Thema Vielfalt. Habt Ihr schon einmal davon gehört? Sicherlich seid Ihr auch schon an Feldern vorbeigekommen, auf denen jedes Jahr das Gleiche angebaut wird – zum Beispiel immer Mais oder jedes Jahr Raps. Das sind sogenannte Monokulturen – das heißt, eine einzige Pflanzenart wird auf einem riesigen Feld jedes Jahr angebaut. Es gibt keine Abwechslung. Die Pflanzen benötigen Nährstoffe, diese entziehen sie dem Boden ohne ihn mit neuen, wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Damit die gleichen Pflanzen auf diesem ausgezehrten Boden auch im nächsten Jahr wieder gedeihen können, muss dem Boden künstlicher Dünger zugesetzt werden, der die entzogenen Nährstoffe zurückbringt.

In der biologischen bzw. biodynamischen Landwirtschaft wird stattdessen auf das natürliche Modell der Fruchtfolge gesetzt. Dabei werden auf einem Feld abwechselnd unterschiedliche Pflanzen ausgesät, die jeweils einen anderen Nährstoffbedarf haben. Es folgt nicht ein Getreide auf das nächste, sondern es wird bunt abgewechselt. So gedeiht Dinkel beispielsweise besonders gut nach Leguminosen wie Bohnen, Erbsen, Linsen oder nach Feldgemüse wie Tomaten, Gurken oder Salat. Es gibt unzählige Kombinationen, wie Bio-Landwirt:innen die Fruchtfolge gestalten können.
Besonders wichtig ist dabei, dass keine Früchte aufeinander folgen, die eine große Menge der gleichen Nährstoffe benötigen, damit sich der Boden stets wieder erholen kann. Einige Pflanzen wie Klee oder andere Leguminosen sind nährstoffgebend, d.h. sie geben dem Boden wieder zurück was er braucht um eine gute Grundlage für die nächste Aussaat zu sein. Außerdem lockern sie mit ihren tiefen Wurzeln den Boden auf. Für fruchtbare Böden ist Stickstoff besonders wichtig – diesen Nährstoff können diese Pflanzen aus der Luft binden und an den Boden abgeben. Zuletzt können diese Pflanzen, wie zum Beispiel Klee, abgemäht und oberflächlich in das Feld eingearbeitet werden. Regenwürmer und Mikroorganismen machen sich darüber her und sorgen dafür, dass fruchtbarer Boden, sogenannter Humus aufgebaut wird.

Dank ausgewogener Fruchtfolgen mit nährstoffgebenden Pflanzen, muss kein künstlicher Dünger zum Einsatz kommen. Außerdem verhindert die Abwechslung der unterschiedlichen Früchte die Ausbreitung von Krankheiten auf die Pflanzen. Dadurch kann auf den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln verzichtet werden. Und nicht zuletzt ist der Anbau durch die mehrjährige Fruchtfolge natürlich wesentlich vielfältiger als bei Monokulturen.

Vielfältiger Genuss mit Urgetreide

Bunte Urgetreide wie Emmer, Hafer und Dinkel sorgen nicht nur für Vielfalt auf den Feldern, sondern sind auch eine leckere Bereicherung in der Küche. Ob süß oder herzhaft, im Müsli, als Brötchen, Salat oder sogar als Bolognese – die Getreide können vielfältig verarbeitet und in köstlichen Rezepten eingesetzt werden. Einige Rezeptideen haben wir hier für Euch zusammengestellt.

Vielfältigen Genuss wünscht

Eure Bianca aus der Spielberger Mühle