Man muss es nicht nur denken, man muss es auch tun

Hand mit Getreide

Man muss es nicht nur denken, man muss es auch tun

Man muss es nicht alles gut finden. Aber man kann sich die Gründe erklären lassen. Am besten von Volkmar Spielberger selbst. Der Müllermeister führt in dritter Generation das Familienunternehmen Spielberger Mühle im schwäbischen Brackenheim.

Was machen Sie anders als andere Lebensmittelhersteller?

Zuerst einmal: Wir machen es immer so gut wie möglich. Wir machen es handwerklich. Was wir tun, tun wir nach unseren eigenen Wertmaßstäben, die wir immer und immer wieder hinterfragen: Was macht das Produkt besser? Wie können wir sicherstellen, dass unsere Bauern ein Auskommen haben? Wer hat wo die Möglichkeit, unsere Produkte zu kaufen? Was können wir neu oder anders verarbeiten und neu anbieten?

Warum setzen Sie auf Demeter?

Demeter ist die älteste, konsequenteste und ganzheitliche Form der Landwirtschaft. Das gab es schon, da war das Wort Nachhaltigkeit noch gar nicht erfunden. Demeter stellt die richtigen Fragen und gibt die richtigen Antworten. Da geht es nicht nur um den Schutz der Erde, sondern um ihre Entwicklung und Genesung. Das entspricht unserem Verständnis von Lebensmitteln.

Was bedeutet Anthroposophie für Sie und Ihre Arbeit?

In den 50er-Jahren hat meine Großmutter – krankheitsbedingt – die Anthroposophie entdeckt. Von den Kindern in der Familie sind drei anthroposophische Ärzte geworden. So haben sich schon früh in unserer Familie die Lebensfragen und die Fragen nach den gestaltenden Kräften gestellt. Und das hat in der Folge Konsequenzen gehabt für unsere geistige Entwicklung, für unsere Werte, für unser Handeln. Und für die Mühle.

Mein Vater Hans hat in den Sechzigern auf die Verarbeitung von biodynamischem Getreide umgestellt, seit 1971 haben wir einen Vertrag mit dem Demeter- Verband. Für uns als Müller ist die Beschäftigung mit den Lebensfragen also eine ganz natürliche. Wir wissen, dass im Korn die Lebenskraft steckt. Und was man tun muss, damit die erhalten bleibt. Damit dem Menschen die Kraft aus der Natur zu Gute kommen kann.

Dabei muss man aber heute auch an den Markt, an die Wirtschaftlichkeit denken?

Wissen Sie, wir wollen den kommenden Generationen eine gesunde, lebenswerte Welt hinterlassen. Deshalb steht für uns die Förderung der biodynamischen, bäuerlichen Landwirtschaft im Mittelpunkt. Nur dann haben wir Rohstoffe zum Verarbeiten, nur dann können wir gesunde, wertvolle Lebensmittel produzieren, nur dann finden wir unsere Kunden. Weil das untrennbar zusammenhängt, sprechen wir von der Wertschätzungskette, von der wir ein Teil sind. Also bewusst nicht mit dem Ziel der Gewinnmaximierung, sondern mit dem Ziel, dass es allen Beteiligten gut geht, dass jeder eine Zukunft hat.

Der Erfolg spricht für Sie?

Es geht nicht um Erfolg, das ist vom falschen Ende her gedacht. Es geht darum, das Richtige zu tun. Das schließt dann nicht aus, dass aus einer Haltung eine wirtschaftlich gesunde Unternehmung wird: Man unternimmt etwas, damit andere Menschen in den Genuss des Besseren kommen. Und damit wird man dann erfolgreich sein. Mit Erzeugnissen aus dem, was die Natur auf den Feldern wachsen lässt. Was Landwirte hegen und bewahren. Was nach alter Handwerkskunst verarbeitet wird. Alles, damit das Leben erhalten bleibt. Wenn das der Erfolg ist: Danke.

Abschließend gefragt: Was ist für Sie persönlich der Sinn von gutem Essen?

Dem Menschen die Lebenskraft zu erhalten, das ist der höhere Sinn. Aber dieser Sinn hat immer auch eine sinnliche Seite: Das Schmecken und Genießen, all die Gefühle, die man dabei hat. Es wärmt, macht satt, macht glücklich – gutes Essen hat so viele schöne Seiten. Das ist schon auch eine Lust, zu leben!